Druckversion
rbb "Brandenburg aktuell" Beitrag vom 25.04.2010
mehr Informationen zur Kürzung des EEG »

rbb "Brandenburg aktuell" Beitrag vom 11.04.2010

B5 Solar engagiert sich beim Wiederaufbau des 1987 geschlossenen und dann verfallenen Kinos in Jenin (Palästina / Westbank) »
Wirtschaft
Videobeitrag rbb "Brandenburg aktuell" vom 25.04.2010 » 
Von Matthias Matern
Im Land Brandenburg begrüßt die Solarbranche die zusätzlichen Forschungsmillionen, geißelt aber dennoch die geplante Kürzung
Berlin/Potsdam - Mit bis zu 100 Millionen Euro will die Bundesregierung die deutsche Solarforschung fördern, verbessert werden soll vor allem die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft. Die Finanzspritze wird in der Branche zwar durchaus begrüßt, entschädigt fühlt man sich aber nicht: Eine bessere finanzielle Ausstattung der Forschung sei zwar „dringend erforderlich“, könne aber die beabsichtigte außerordentliche Kürzung der Förderung um 16 Prozent nicht kompensieren, kommentierte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, Carsten Körnig, am Donnerstag die Pläne der Bundesregierung. Erst am Mittwoch hatte Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU), wie berichtet, die sogenannte Innovationsallianz Photovoltaik vorgestellt.
Demnach soll das Geld für einen Zeitraum von drei bis vier Jahren reichen und vor allem als Katalysator wirken. Es werde angestrebt, dass die Photovoltaik-Hersteller gemeinsam mit Dienstleistern und Ausrüstungsindustrie rund 500 Millionen Euro in die Innovationsallianz einbringen, heißt es in der Kabinettsvorlage. Bereits Ende 2010 sollen die ersten Fördermaßnahmen beginnen. Ziele sind laut dem Papier ein stärkerer Technologietransfer aus dem Labor in industrielle Prozesse durch anwendungsorientierte Forschung, eine bessere Vernetzung der Photovoltaik-Industrie mit erfolgreichen Herstellern von Fertigungsanlagen, etwa aus dem Bereich der Lasertechnologie und Investitionen in die Forschungsinfrastruktur. So sollen etwa Institute in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ausgebaut werden. Der Technologievorsprung soll langfristig die Billig-Konkurrenz aus Fernost, China im Speziellen, auf Abstand halten, lautet der Plan.
In Ostdeutschland ist die Branche besonders gut aufgestellt. Im Land Brandenburg arbeiten mehr als 4000 Beschäftigte in der Solarwirtschaft. Angeblich soll jedes zweite deutsche Modul mittlerweile aus der Hauptstadtregion kommen.
Dort aber hält man die Gratwanderung der Bundesregierung für gefährlich. Laut Regierungsbeschluss soll die Förderung zum 1. Juli für Photovoltaik-Anlagen auf Dächern um 16 Prozent und auf freien Flächen um 15 Prozent sinken. Die Förderung von Anlagen auf Ackerflächen soll ganz wegfallen. Abstimmen wird der Umweltausschuss in seiner Sitzung in zwei Wochen. Danach stimmt der Bundestag über das Gesetz ab. Der Bundesrat muss zustimmen.
Sowohl Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) als auch Landeswirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) hatten sich bereits gegen die Kürzungspläne ausgesprochen. Steffen Kammradt, Geschäftsführer der brandenburgischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Zukunftsagentur legte gestern nach: „Investitionen in Forschung und Entwicklung sind notwendig, um die Technologieführerschaft der Solarunternehmen in der deutschen Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg zu stärken und auszubauen.“ Es müsse jedoch aufgepasst werden, dass diese Erfolgsstory nicht verschüttet wird.
Ähnlich sieht das Fred Kehler, Geschäftsführer des Solaranlagenbauers B5 Solar aus Wustermark im Kreis Havelland. Das mittelständische Unternehmen feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen und beschäftigt rund 100 Mitarbeiter. „Wer in Deutschland Schritt halten will, muss über die Forschung gehen“, sagte Kehler. Eine moderate Kürzung der Förderung halte er prinzipiell für vertretbar. „Sonst hat die Branche keinen Anreiz, sich preislich auf den freien Wettbewerb vorzubereiten.“ Was aber die Bundesregierung plane, sei „völlig überhitzt“ und setze die „jungen Unternehmen zu sehr unter Druck“, meinte Kehler.
Branchenkonkurrent Michael Preißler, Geschäftsführer der Mp-tec aus Eberswalde (Barnim), ist da schon drastischer: „Aus meiner Sicht verspielt Deutschland mit dieser Taktik die Innovationsführerschaft.“ Gerade erst hat Mp-tec seine neuen Geschäftszahlen vorgelegt. Demnach konnte 2009 trotz Krise der Umsatz um 122 Prozent auf knapp 47 Millionen Euro gesteigert werden. Die Exportquote betrug 22,3 Prozent.
Verbaut werden bei Mp-tec laut Chef Preißler zu 75 Prozent deutsche und europäische Module. Der Rest komme aus Asien, auch aus China. Mit den 100 Millionen Forschungseuros allein lasse sich der Ansturm chinesischer Module-Hersteller nicht stoppen, zumal längst nicht mehr nur die niedrigeren Produktionskosten maßgeblich seien. „Die 100 Millionen Euro sind doch ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagte Michael Preißler. Erst jüngst habe die staatliche chinesische Entwicklungsbank allein für zwei Unternehmen Kredite in Höhe von 8,65 Milliarden Euro bereitgestellt.
Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten 23.04.2010